Dass ein Ermittlungsverfahren gegen Jens Häßler läuft, war bislang offenbar nur im Bernauer Rathaus bekannt. Der Wobau-Chef selbst und seine Geschäftsführerkollegin Antje Mittenzwei hatten keine Ahnung, was sich da über dem Unternehmen zusammenbraut. "Ich muss einem Beschuldigten nicht mitteilen, dass gegen ihn ermittelt wird", sagt Michael Neff, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder).
Bürgermeister Hubert Handke (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft, erfuhr davon durch eine Ladung zur Vernehmung als Zeuge. Dafür wiederum braucht er nach dem Beamtengesetz des Landes Brandenburg eine Aussagegenehmigung der Stadtverordnetenversammlung. Die soll sie nun im nichtöffentlichen Teil ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag, 1. März, erteilen.
In der Wobau-Zentrale am Steintor ist man von dem Untreue-Vorwurf zwar überrascht, bleibt aber dennoch gelassen. Die Wappenuhr sei seit drei Jahren im Rahmen von "Kunst am Bau" mit jährlich 30000 Euro in den Wirtschaftsplänen verankert gewesen. Der Aufsichtsrat habe die Pläne bestätigt, erklärt Geschäftsführerin Antje Mittenzwei. "Die 90000 Euro insgesamt haben wir nicht ansatzweise angetastet", sagt sie. "Bislang haben wir 41000 Euro für die Uhr ausgegeben".
Ursprünglich sollte es eine Sonnenuhr werden, die in Bernau-Süd zur Gestaltung des Wohnumfeldes geplant war. Als dann aber der "Planetenpark", der in diesem Frühjahr offiziell eröffnet wird, ins Spiel kam, änderte die Wobau ihre Pläne, gab die Anfertigung der Wappenuhr bei einem Kunsthandwerker in Angermünde in Auftrag und wählte als Platz eines ihrer Grundstücke an der Schwanebecker Chaussee aus.
Die Idee, die Wappenuhr in der Bernauer Innenstadt zu postieren, um damit einen Anziehungspunkt für Touristen zu schaffen und die City damit zu beleben, stammte letztlich aus dem politischen Raum. Es war CDU-Fraktionschef Frank Goral, der ein Modell der Uhr sah und so begeistert davon war, dass er die Pläne öffentlich machte und seitdem gemeinsam mit anderen Stadtverordneten versucht, das Wobau- zu einem Bernau-Projekt zu machen.