In das Domizil des Senioren-Vereins Kleeblatt am Ginsterweg waren indes nicht nur Sozialdemokraten gekommen, sondern auch viele Wegbegleiter anderer politischer Richtungen.
Für Vize-Landrat Carsten Bockhardt (CDU), der als Amtsdirektor von Panketal viele Jahre mit Adelheid Reimann zusammengearbeitet hat, ist die Schönowerin beispielsweise "wie eine feste Eiche". Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann habe sie auch nicht locker gelassen, erinnert er sich. "Und manchmal freue ich mich, dass Hubert Handke sie jetzt hat", bemerkte Bockhardt mit einem Seitenblick auf den Bernauer Bürgermeister. Auch der sang Lobeshymnen auf die Ortsvorsteherin und Stadtverordnete. "Was mich an Schönow immer beeindruckt hat, war der Zusammenhalt in der Gemeindevertretung. Nach außen war das wie ein Block", schilderte Handke seine Eindrücke aus vergangenen Zeiten. Dass sich das eigenständige Dorf bei der jüngsten Gemeindegebietsreform nicht Panketal anschloss, sondern der Stadt Bernau als Ortsteil beitrat, sei mutig und in erster Linie Adelheid Reiman zu verdanken gewesen, ist sich Bürgermeister Handke sicher. Noch heute freut sich das Stadtoberhaupt über den Zuwachs an Einwohnern für Bernau - die geballte Kraft der Schönower in der Stadtverordnetenversammlung, mit der sie manche außerplanmäßige Zuwendung für den Ortsteil durchsetzten, lässt sich da leichter verkraften.
Adelheid Reimann selbst ist stolz auf die Entwicklung, die das Dorf unter ihrer Regentschaft genommen hat, aber bescheiden genug, diesen Stolz nicht zur Schau zu stellen. Es seien viele gewesen, die an der Entwicklung Anteil hätten. Dass in der Gemeindevertretung nicht Partei-, sondern nur Schönows Interessen eine Rolle gespielt hätten, habe vieles erst möglich gemacht. So das Gewerbegebiet, dass weder Dieter Friese, der damalige Landrat des Altkreises Bernau, noch Barnims Landrat Bodo Ihrke (beide SPD) wollten und dass die Schönower doch durchsetzten - mit Hilfe aus Potsdam. "Wir sind immer durch die Hintertür in die Ministerien gegangen", erinnert sich Adelheid Reimann und fast klingt es wehmütig. Denn dafür ist die mittlerweile 60-Jährige in der Region durchaus bekannt: Je größer die Widerstände gegen ihre Pläne waren, desto unkonventionellere Methoden fand sie, ihre Vorhaben doch durchzusetzen.
Manchmal rannte die Schönower Ortsvorsteherin mit dem Kopf auch gegen Wände und holte sich riesige Beulen. Einmal kostete ihre Dickköpfigkeit sie fast die Existenz - als die mehrfache Mutter und Großmutter ihren bezahlten Job als Zweckverbandsvorsteherin aufgab, um ehrenamtliche Bürgermeisterin zu bleiben. Doch letztlich hat sich Adelheid Reimann immer wieder hochgerappelt - und weiter gemacht in ihrem Dorf.
"Die Bürger von Schönow werden's Dir danken", sagte Carsten Bockhardt am Montag und setzte hinzu: "Sie sollten es Dir zumindest danken."