Der Umgang mit asbesthaltigen Baustoffen ist in Deutschland genau geregelt. Immerhin ist erwiesen, dass die Asbestfasern Krebserkrankungen auslösen können. Das Einatmen des belasteten Staubes ist daher hoch gefährlich.
Der Investor des Geländes habe ordnungsgemäß eine Abbruchanzeige eingereicht, erklärt Kerstin Schulz vom Bodenschutzamt des Landkreises. "Es gab genaue Auflagen, wie der Abriss erfolgen muss. Der Asbest darf nur mit entsprechender Technik abgebaut, nicht einfach abgebrochen werden, damit kein Staub entsteht. Die Arbeiter müssen mit Vollschutz die Platten sortieren. Sollte sich trotzdem Staub entwickeln, muss befeuchtet werden." Anschließend sollten die Materialien in geschlossenen Behältern zur zuständigen Sonderabfallgesellschaft gebracht werden.
Doch offensichtlich hielt sich die Firma, die für den Abriss verantwortlich ist, nicht an die Auflagen, berichtet Anwohner Günter Jorek, der in unmittelbarer Nähe zu der zu DDR-Zeiten errichteten Milchviehanlage wohnt. "Die Gebäude wurden mit einem Bagger von oben bis unten abgerissen. Die Asbestzementplatten sind dabei samt Dachkonstruktion zu Boden gefallen", schildert er die Situation in der vergangenen Woche. Er informierte das Landesamt für Arbeitsschutz.
Dort bestätigt man Joreks Aussage. "Offensichtlich wurde dort nicht so abgerissen, wie es der Umgang mit Asbest verlangt", sagt der Leiter des Aufsichtsdienstes, Lutz Marquart. Mitarbeiter seiner Behörde hätten sich vor Ort ein Bild gemacht. "Eigentlich müssten die Bauten richtig rückgebaut werden, also die Schrauben gelöst werden." Offenbar wurde jedoch anders verfahren. Seine Mitarbeiter hätten aus Gründen des Arbeitsschutzes weitere Arbeiten untersagt. "Für die Arbeitnehmer war das gesundheitsgefährdend", sagt Marquart. Gestern gab es auf dem Gelände eine Bauberatung, zu der auch interessierte Anwohner eingeladen werden.
"Es hat Fehler gegeben", räumt der Geschäftsführer der ausführenden Baufirma, Herr Kummer, ein. Abgebrochen habe man die Deckenplatten allerdings nicht, vielmehr abgelegt. "Das ist ein Unterschied", betonte er. An die vereinbarte Bauausführung habe man sich bei den Ställen nicht gehalten, weil das vom Aufbau der Decken nicht möglich war. "Leider war bei dem Termin, bei dem wir das erläutern wollten, der Mitarbeiter vom Landesamt für Arbeitsschutz nicht dabei." Das Amt will die Bauarbeiten in Zukunft stärker kontrollieren.
Die Firma Gesa aus Berlin will auf dem Gelände den Wohnpark "Am Venusbogen" mit 60 Einfamilienhäusern entwickeln.